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Die Fleck-Affäre

18. März 2010

Wie widrige Umstände zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt den Größten Annemhbaren Fettfleck produzieren, erfahren Sie bei Joulupukki. Wie für Vieles, das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt geschieht, gibt es auch für den Fettfleck keinen wirklich günstigen Zeitpunkt. Der  dokumentierte Fleck wurde von Olivenöl verursacht. Wie aus den Kommentaren zu erfahren, wurde mit Backpulver alles gut.

Fast alles.

Da war er plötzlich, der Ketzer vom Dienst, der seine Zweifel an Hausmitteln gegen Fettflecken zum Ausdruck brachte. Wohl wissend, dass Techniken dieser Art von Großmüttern tradiert werden, griff er gekonnt die Technik zusammen mit der Quelle an und bezeichnete diese als „Mythen der Großmütter“.
Nun, Verehrtester, das ist mal ein Handschuh, den ein Waschbär aufheben muss.

Nehmen wir mal an, mir begegnet ein Fettfleck. Dass Fettflecken hartnäckiger sein können als Waschpulver und Maschinenwäsche, ist ein Fakt. Mir begegnen Vorschläge zur Fleckentfernung auf zwei Kanälen:
a) Menschen, die bereits erfolgreich einen gleichen oder ähnlichen Fleck entfernt haben, sagen mir, wie es geht.
Siehe: Großmutter.
b) Mein Fernseher teilt mir mit, wie es geht.
Siehe: Werbung.
Fazit: Finger weg von meiner Oma!

Wieso sich Zeugs in anderes Zeugs löst, ist für Waschbären, Großmütter oder den Fettfleck nicht von Belang. Es soll funktionieren.  Dass Dinge  funktionieren, auch wenn man nicht genau weiß warum, trennt Großmutters Weisheit von das Schlucken von Krötchen bei Vollmond (vorläufig kein Anwendungsgebiet bekannt).

U wanna battle with me?

Selbstverständlich funktionieren Dinge, die funktionieren, nicht ohne Grund. Drum:

1. Mehl: saugt das Öl auf, das die betroffenen Textilien noch nicht eingesogen haben. Das ist deshalb ganz wunderbar, weil man einerseits die Ausbreitung des Flecks verhindert, andererseits sich erspart, Öl lösen zu müssen, das noch gar kein Fleck ist, das steht da nur so rum und wartet, bis es an die Reihe kommt. Man trennt so die Angriffstruppen von ihrer Versorgung ab.

2. Butter: löst Öl nicht auf, ist aber gerne bereit, sich damit zu mischen. Das ist eine Falle für das Öl: für die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zum Zwecke der Ablenkung schicken wir dem Öl einen Freund vorbei. Zur Zeit befindet sich nicht mehr nur Öl auf der Hose, sondern ein Butter-Öl-Gemisch. Das macht einen Unterschied: das Öl ist nun in der Butter, die in der Hose ist und nicht neben oder unter der Butter. Genauso, wie ein Spülmittel mit kalter Butter besser klarkommt als mit Öl, kommt das Waschmittel mit kalter Butter besser klar, als mit Öl. Mit dem Butter-Öl-Gemisch kommen die meisten Waschmittel gut bis mittelmäßig klar, weil dafür eine schwächere Lauge und eine Runde Enzyme ausreichen.
Bei Öl liegt die Sache anders: wenn man einem ordentlichen Ölfleck mit Wasser kommt, lacht es einen aus, auch wenn darin Waschmittel rumschwimmt. Butter ebnet den Weg zwischen Öl und einer milden Lauge. An diesem Punkt kann man das Ganze ziemlich gut aus dem Hinterhalt mit Pril attackieren.

3. Backpulver: enthält Natron. Backpulver zerfällt nur bei Hitze vollständig in Natrium, Kohlendioxid und Wasser. Ohne Hitze reagiert das Natron mit den dem Backpulver beigefügten Säuren, sobald Wasser im Spiel ist, daher sprudelt der Spaß kurz, hat aber immer noch genügend Schmackes um das Öl in der Hose zu verseifen, wie sein großer Bruder Soda. Verseiftes Öl löst sich in Wasser: Sieg.

Wenn das alles Mythos ist, müssen wir Chemie neu definieren. Wenn Chemie alles ist, was man nicht essen kann, hat Martha Stewart eine Strategie  im Angebot:  erst Azeton, dann Isopropylalkohol, dann  eine Lösung aus Spülmittel und Wasser, dann ein Waschmittel mit Enzymen, dann erst in die Waschmaschine. Nachzulesen in „stain removal basics“.

In meinem Zuber dagegen wird großer Wert darauf gelegt, sowohl mit Großmutter, als auch mit dem Genfer Protokoll im Einklang zu bleiben.


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