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Frühjahrsputz mit ohne Plan

4. Juni 2010

Traditionell setzt man den Frühjahrsputz in der ersten Woche an, in der man nicht mehr heizt. Sinn der Sache war früher einmal den ganzen Kohlestaub und den ganzen Ruß und Dreck des Winters zu beseitigen. Es ist wieder warm, die Sonne scheint, man sieht den Dreck auf den Fenstern so klar wie lange nicht mehr und wenn man Glück hat, befällt einen der unwiderstehliche Putzdrang. Dann ist da noch der soziale Zwang für all jene, die zu Ostern Besuch von Tante Elli und dem Erbonkel zu erwarten haben. Wenn Heizperiode und Einladungen als Motivation wegfallen, bleibt die Realität als Maßstab: Der Waschbär blickt um sich und sieht, dass es aussieht. Und der Waschbär sieht, es ist nicht gut. Folglich: dann eben Frühjahrsputz.

Ein Plan ist nicht nötig. Ganz im Gegenteil. Wenn Sie sich einen genauen Plan davon machen, was, wie und in welcher Reihenfolge Sie putzen werden, wird Ihnen nur das grandiose Ausmaß der Unternehmung bewusst. Das kann ein Nachteil sein. Denken Sie, Jeanne d’Arc hat die Engländer durchgezählt, bevor sie in die Schlacht zog? Wenn Sie beschlossen haben, den Frühjahrsputz anzutreten, haben Sie beschlossen alles, wirklich alles zu putzen. Das heisst aber auch: Es ist gänzlich wurscht, wo Sie anfangen. Wenn Sie nicht anfangen, passiert nichts. Wenn Sie anfangen, passiert was. So einfach ist das.

Wenn Sie planen wollen, planen Sie. Für meine Zwecke ist planen kontraproduktiv, um nicht zu sagen sinnlos. Das Chaos hat einen Hang zum Waschbären.

Dass es keinen Plan geben muss, heisst noch lange nicht, dass es keine Regeln gibt. Es gibt Regeln, sie sind der Schlüssel zum Erfolg.

Die erste Regel: arbeiten Sie sich langsam in der Wohnung vor und halten Sie die Zufahrten frei. Sinn der Sache: der Ausnahmezustand ist nicht überall gleichzeitig. Vorteil: Sie können die Badewanne einweichen, eine Pause machen, in die Küche gehen, die Sie noch nicht auf den Kopf gestellt haben, einen Kaffee trinken und sich dann wieder in das halbfertige Bad begeben. Wenn Sie wiederum die Küche schrubben, werden Sie Ihre Hände im bereits vollkommen sauberen Bad waschen können. Wenn Sie abheben und alles auf einmal machen, werden Sie verzweifeln. Versuchen Sie in abgegrenzten Bereichen zu wüten und in den restlichen Bereichen eine Art Normalität zu erhalten. Deshalb halten Sie bitte auch die Zufahrten frei: platzieren Sie Putzwerkzeug, ganz besonders Eimer, so, dass weder Sie, noch ihre Lieben darüberfallen. Nach ein paar Stunden mit dem General Bergfrühling, werden Sie froh sein, wenn Sie noch wissen, wie Sie heißen. Ob Sie dann noch wissen, wo der Eimer steht, ist Glückssache.

Die zweite Regel: gehen Sie langsam vor. Frühjahrsputz kann dauern, das soll so. Fangen Sie oben an, Dinge, so auch Dreck fallen, nach unten. Nehmen Sie jedes herumliegende Ding (vgl.: Zeug) in die Hand, machen Sie es sauber, machen Sie untendrunter sauber und gehen Sie zum nächsten Ding. Sie werden staunen, wie leicht es Ihnen fallen wird, einen Platz für das herumliegende Ding zu finden, ggf. im Müll. Sollten Sie beschließen, etwas wegzuwerfen, brauchen Sie es selbstverständlich nicht sauber zu machen. Untendrunter schon. Sie müssen nicht gleichzeitig dem Dreck und dem Zeug den Krieg erklären. Die Erfahrung lehrt, dass es reicht, wenn Sie dem Dreck den Krieg erklären, große Mengen von Zeug werden ganz nebenbei verschwinden. Das restliche Zeug ist am Ende sauber und steht ordentlich da, wo es davor einfach nur rumlag. Dann können Sie immer noch überlegen, wohin das Zeug gehen soll.

Möglicherweise befällt Sie zwischendurch das Gefühl, Schubladen ausräumen zu müssen. Nicht erschrecken, das ist normal, zumindest in Zeiten des großen Putzens. Dieser Geist des Putzens, von dem Sie besessen sind, ist ein netter Geist und wird schon bald zum nächsten Wirt weiterziehen. Geben Sie nach, denken Sie aber an die erste Regel und nehmen Sie sich ein bis zwei Schubladen auf einmal vor, nachdem Sie sich versichert haben, dass Sie nicht bereits in einem anderen Zimmer putzen.
Halten Sie stets die Zufahrten frei.

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