Kinder fressen – auch für Vegetarier ein Genuss

Neulich im Krabbelkurs haben wir einen Massagereim gelernt.
Zu Ihrer Information: da spricht und fummelt man rhythmisch am Kinde rum. Manchmal nennt sich sowas auch Fingerspiel. Bitte verlassen Sie sich in diesen Dingen aber nicht auf mich, ich bin ganz schlecht informiert.

Der Massagereim beginnt am linken Arm des Kindes und geht so:

Brot schneiden, Brot schneiden,
Butter streichen, Butter streichen,
Käse drauf legen, Käse drauf legen,

Salz drauf streuen , Salz drauf streuen,
UUUUUUUUUUND
Aufessen!!

Dabei wird der linke Arm des Kindes erst spielerisch gesäbelt, dann gestreichelt, getätschelt, gekitzelt und anschließend wird (spielerisch!) reingebissen. Nun geht es weiter mit dem rechten Arm, da legen wir Wurst drauf, dem linken Bein, da kommt der Lachs hin und dem rechten, dem Nachtisch-Bein, das bekommt Marmelade.
Es sei denn Sie sind Vegetarier, dann wird Ihnen von der Kursleiterin zuvorkommend angeboten, statt der Wurst wieder Käse auf das Kind zu legen, dann muss es halt anders lernen links und rechts auseinanderzuhalten.
Nochmal zur Klärung: wir legen da nicht in Echt Wurst auf die Kinder (auch Käse nicht etc.), ebensowenig, wie wir in Echt in die Kinder essen. Das ist ja alles im Spass und Spiel, das Auffressen von Kindern. Bei manchen Dingen, wie Wurst, muss man jedoch aufpassen. Wie sagt man doch so schön:
It’s all fun and games until someone says Wurst.

Die Kursleiterin bot also die vegetarische Option an und die Muttzi entwickelte noch im selben Moment das Wurst-Tourette-Syndrom. Stundenlang konnte ich an nichts anderes mehr denken als Wurst und Fleisch. Leberwurst, Salami, frische Blutwurst. Roastbeef. Hirschragout.
Ein halbes Spanferkel zwischen zwei dünnen Scheiben Toastbrot. Tatar mit rohem Ei. Der Gesprächskreis für Mütter ist dabei komplett an mir vorübergerauscht.

Lakritze sei Dank, wird  seit kurzem  mit ungarischen Kinderreimen gegengesteuert. Sie hatte da den richtigen Riecher, denn der vergleichbare ungarische Massagereim, der geht so:

Der hier ging auf die Jagd (Daumen fassen)
Der hat das Wild erschossen (Zeigefinger fassen)
Der hat es nach Hause geschleppt (Mittelfinger)
Der hat es gebraten (Ringfinger)
Und dieser klitzekleine, der hat alles aufgegessen ( hierbei können Sie in den Kleinen Finger beißen)

Fleischfresserreim im Original, Sie haben es ja nicht anders gewollt, geht so:

Ez elment vadászni,
Ez meglőtte,
Ez hazavitte,
Ez megsütötte
és ez az iciri-piciri, ez mind megette.

Das brauchen Sie nun wirklich  gar nicht erst mit Tofu versuchen.

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17 Antworten to “Kinder fressen – auch für Vegetarier ein Genuss”

  1. vilmoskörte Says:

    Hier die vegetarische Version:

    Das ist der Daumen,
    der schüttelt die Pflaumen,
    der liest sie auf,
    der trägt sie nach Haus,
    und der Kleine ißt sie alle auf!

  2. Philipp Says:

    Ich finde fleischige Abzählreime gut. Aber wahrscheinlich habe ich auch das falsche Bewusstsein ™.

    Bin übrigens sehr erfreut über die wieder erstarkte Aktivität auf diesem Blog.

    • Mutzi H. Europa Says:

      Danke. Ich freue mich auch.
      Mensch! Abzählreim. Das war’s, so heisst das Ding! Warum wir im Krötenkurs Massagereim sagen müssen bleibt ein Rätsel.

      • Philipp Says:

        Mit wird über den Frühstückstisch gerade eine vegane Version des ungarischen Reims vorimprovisiert.

        Aber immerhin wird das Ganze mit „deshalb bleibt er auch so klein – ergibt doch viel mehr Sinn!“ kommentiert.

      • Mutzi H. Europa Says:

        Mich tät der Wortlaut schon interressieren…
        Kriegen wir den veganen Reim? Wenn ich verspreche es vom Kind strengstens fernzuhalten?

        Messer, Gabel, Schere, Licht, Rohrreiniger, vegane Wurst…

  3. Afra Evenaar Says:

    Ich fürchte, man muss Dich doch in absehbarer Zeit retten. Nicht, dass die Tourette-Gefährdung überhandnimmt!

  4. Lakritze Says:

    Das ist nichts, wogegen nicht eine ordentliche Portion vom Metzger Deines Vertrauens helfen würde.

    (Fehlt da nicht Senf?)

    Und: Könnten wir den ungarischen Fleischfresserreim bitte auch auf Ungarisch lesen?

  5. oachkatz Says:

    Ich kenne das ja mit der Nilpferdmutter, die ihr Kind vom Kndergarten abholt. Dazu später mehr. Den Jagdreim haben Sie selbst erfunden, nicht? Und beim Pflaumensammelreim: während die anderen schuften, stellt sich der Daumen einfach bloß vor, der faule Sack. So erklärte ich mir das bei meiner ersten Bestürzung darüber, dass beim nunmehr großen Kind einer übrig blieb.

    • Mutzi H. Europa Says:

      Sie machen mich ja ganz neugierig mit Ihrem Nilpferd. Wir haben nur das Känguru. Und ein Lama, aber nur ansatzweise. Kennen Sie eventuell das Lama? Das wohnt mit seiner Lama-Mama hoch droben in den Anden, bei seinen Verwanden.

      Das mit dem faulen Daumen hätte ich ja diesem Kulturkreis gar nicht zugetraut. Sieh an.
      Der Fleischfresser-Jägerreim ist Echte Ungarrische Kinderreim. Ich verantworte lediglich die Übersetzung ins Deutsche.

  6. oachkatz Says:

    …wahrscheinlich auch hier eine Übersetzung aus einem anderen Kulturkreis. Und entweder es ist einer, der sich nichts aus faulen Daumen macht, oder die Übersetzung ist dem Reim im Deutschen geschuldet und in Wirklichkeit ist der Daumen genauso fleißig wie die anderen, nur hier dachte man, die sind eh so eine faule Kultur, da können wir das bisschen Arbeit von dem Daumen ebensogut unterschlagen. Oder so.

  7. 6kraska6 Says:

    Kriegen Kinder bei solchem symbolischen Kannibalismus nicht einen Schaden fürs Leben? Kannte Prof. Freud diese Abzählbarbarei? Also ich wäre traumatisiert: Gefrässige Mütter!

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