Die Eingemeindung der Muttzi

Das neue Leben der Muttzi, das neue, das nicht vorbei ist, ist ein sesshaftes, weitgehend biederes und assimiliertes.  Bestimmte Teile dieses Lebens, wie der Speiseplan und der Reisepass, rebellieren weiterhin  gegen die Deutschwerdung der Muttzi. Nicht zuletzt hat die Muttzi selbst ein ambivalentes Verhältnis sowohl zu ihrer schleichender Deutschwerdung, als auch  zu ihrer Herkunft. Diese ambivalenten Verhältnisse werden übrigens ohne weitere Maßnahmen, so wie sie sind,  an das deutsch-ungarisch gestreifte Kind weitergereicht, weil icke das nicht zu Ende denken muss, habe ich beschlossen.

Außerdem könne man den schleichenden Prozess jederzeit aufhalten, dachte ich. Trotz der um sich greifenden Häuslichkeit hätte ich genügend Restpaprika im Blut, dass durch eine Runde Operette und etwas Gulasch alles wieder gut würde, dachte ich. Der Tag, an dem ich Gäste im Flur aufhalten und mit fragendem Blick darauf warten würde, dass sie die Schuhe ausziehen, würde niemals kommen.

Der kam auch nicht. Dafür kam aber der Tag, als ich begriff, dass meine Wohnung nicht deshalb in Altpapier versinkt, weil die Tonne zu klein ist für das Haus, sondern weil ich gar nicht mehr auf die Idee komme, Papier in den Hausmüll zu schmeißen.

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8 Antworten to “Die Eingemeindung der Muttzi”

  1. Lakritze Says:

    Daß sich eine Eingemeindung ausgerechnet so äußert, ist vielleicht etwas enttäuschend, aber auch eigentlich nicht anders zu erwarten …

  2. Philipp Says:

    Du solltest es mit den weisen Worten Mike Lehmanns halten: „Trenne niemals Müll, denn er hat nur eine Silbe!“

    • Mutzi H. Europa Says:

      Manchmal denke ich besser wär´s. Aber was würde aus der rosenberankten Mülltonnenüberdachungs-Pergola in deutschen Hinterhöfen und dem grünen Punkt auf dem Zeug für den gelben Sack?

      • Philipp Says:

        Ein Fahrradständer respektive mehr Platz für inhaltsleere Heilsversprechungen („fördert die Verdauung“).

  3. kormoranflug Says:

    Deutsch werden kann schlimm sein, aber als Berlinerin gibt es doch gewisse Freiheiten…

  4. joulupukki Says:

    Na ja, wenn du dich dann mal allzu zu deutsch fühlst, kommst halt zu uns. Da ist die größte Ausländergruppe deutsch und bezeichnet sich selbst stolz als unintegrierbar. So schließt sich dann wieder der Kreis 🙂

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