31 – Das Buch, das du am häufigsten verschenkt hast

Die letzte Frage in der Liste scheue ich seit Wochen,weil ich mit diesem Buch schon so oft auf die Schnauze gefallen bin, wie mit keinem anderen sonst. Es ist nämlich so, dass ich Das Buch der Erinnerung von Péter Nádas öfter verschenkt habe als jedes andere. Meist ohne Anlass. Mich hat es einfach beruhigt, das Menschen, die ich liebe, dieses Buch, das ich liebe, besitzen. Ich habe zur Zeit drei  Exemplare auf Vorrat da. Für den Fall, dass ich schon wieder wen lieben, der oder die wiederum das Buch lieben muss.
Ich versuche mich zu bremsen, es gelingt mir nicht immer.

Belesene deutsche Germanistenfreunde haben mich oft damit überrascht, dass sie das Buch schon hatten, das stand schon da bei ihnen zuhause im Regal. Also waren auch diese Lieben auf der sicheren Seite. Es sollte mir reichen. Selbstverständlich reicht es mir nicht. Ich missioniere.  Weil ich der felsenfesten Überzeugung bin, dass dieses das beste Buch aller Zeiten ist. Und ich warte darauf, unerschütterlich, dass eines Tages irgendwer oder irgendwas meinen missionarischen Eifer bestätigt. Es verhält sich in der Welt dennoch so, dass Menschen, die man mag, nicht notwendig die Bücher mögen, die man mag. Das ist durchaus legitim, habe ich mir sagen lassen. Das heißt noch lange nicht, dass es schön ist. Ist es nicht. Es ist ein stetes auf-die-Schnauze-Fallen ohne das tatsächliche Aufschlagen der Schnauze auf harten Untergrund, weil ja die meisten das Buch gar nicht lesen. Oder nicht ganz. Oder sie lesen es und mögen es nicht und trauen sich nicht, es mir zu sagen. Was ich verstehen kann. Ich würde mich das auch nicht trauen.

Sie sehen es, es ist albern. Außerdem ist es heillos eitel, jemandem nahelegen zu wollen, ein Buch zu lieben.
Da wundert es kaum, dass das Universum, angeführt von Thomas Lang, die Mutzi mit der Realität konfrontieren musste: Das beste Buch aller Zeiten geriet auf die Liste „Die zehn dicksten Schwarten, die niemand zu Ende gelesen hat„. Sie haben ja gar keine Vorstellung, welches Entsetzen, welch ungeheure Wut von der Mutzi Besitz ergriff an jenem Tag.

Die Wunde ist schon fast verheilt, das Buch ist in guter Gesellschaft, es kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden. Vielleicht ein winzig kleines, da Langs  kurzer Text vermittelt, das Werk von Péter Nádas würde von solchen Schwarten nur so wimmeln, das tut es jedoch nicht, es sind der Schwarten lediglich zwei. Ich bin in diesem einen speziellen Zusammenhang gerne auch niemand, geschieht mir recht, wäre ja schön blöd, sowas persönlich zu nehmen. Nein, ich bin überhaupt nicht beleidigt.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich so etwas schon geahnt. Und immerhin, man muss es den beiden lassen, dem Universum und dem Lang, sie haben es mir sehr behutsam beigebracht.

Sie waren gewarnt, ganz am Anfang, da habe ich gesagt, dass das ausarten würde. Jetzt wissen Sie, dass Germanisten  schon mal Liebeskummer haben können wegen einem Buch. Ein dermaßen profundes Leiden an der Welt rechtfertigt schon mal die ersten acht Jahre des Studiums. Die restlichen kriegen wir auch so durch den Zoll.

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