25 – Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt

Die Waschmasa habe ich bereits verbraten, ich Hirsch. Nun kann ich mich nicht elegant aus der Affäre ziehen und habe mich tatsächlich vor das Regal gestellt.

Ich muss natürlich wiedermal nörgeln und mogeln, weil mir bei dem Gedanken, mich von einem Buch oder einer literarischen Figur oder wem auch immer „ziemlich gut“ beschreiben zu lassen, das Messer in der Tasche aufgeht. Ich mag das nicht und ziehe es vor hinter meinem Rücken ziemlich gut beschrieben zu werden, wenn es schon sein muss. Es nerven mich nur wenig Dinge mehr, als die Theorie vom wahren Ich hinter der Fassade. Menschen, die mir mitteilen, sie hätten mein vermeintlich wahres Ich geschaut, nerven mich zum Beispiel noch mehr.

Eine Romanfigur, die mich ziemlich gut beschreibt, habe ich nicht zu bieten, stattdessen hätte ich eine ganze Reihe Romanfiguren zu bieten, die ich gerne wäre, ohne mich außergewöhnlich gut mit ihnen identifizieren zu können. Darüber hinaus gebe ich zu, vor einiger Zeit entdeckt zu haben, dass man ein gutes Leben haben könnte, wenn man sich einzig und allein nach Miss Marple richtet. Daran arbeite ich noch.

Während ich auf mein Bücherregal starrte musste ich gestehen, dass ich eine über das germanistische Interesse hinaus gehende, tiefe Sympathie für Romanfiguren habe, die auf eine hochkomplizierte und sehr luxuriöse Art profundes Leid an den Tag legen, die nicht bereit oder nicht in der Lage sind, sich zufrieden oder gar glücklich zu fühlen, obwohl sie sich nicht ernsthaft beschweren können. Das nennen hinterher andere Leute dann „modern“. Wer hätte es gedacht, die Romanfiguren, die sich auf Teufel komm raus nicht behaglich einrichten können in der Welt, nicht mal wirklich zurecht kommen darin, sind ziemlich oft Frauen. Die dürfen vermutlich das illegitime Leid eher leiden.

Nach längerer Suche habe ich einen Roman gefunden, in dem der große emotionale Sturm im Wasserglas mal nicht mit dem Tod der Heldin endet. Hier, bitteschön: Mrs Dalloway von Virginia Woolf

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11 Antworten to “25 – Ein Buch, bei dem die Hauptperson dich ziemlich gut beschreibt”

  1. lokalreporter Says:

    ich fand mich vor vielen jahren von harry haller [hesse: steppenwolf] und leopold bloom [joyce: ulysses] belletristisch angemessen repräsentiert …

    • Mutzi H. Europa Says:

      der ulysses, wie bereits gestanden, ist mir unbekannt. der steppenwolf hingegen ist mir bekannt. ich konnte damit wenig anfangen, was ziemlich frustrierend ist, weil ja ziemlich viele leute ziemlich viel damit anfangen konnten und können.

  2. lokalreporter Says:

    STEPPENWOLF ist glaub ich ein ziemliches männerbuch, hat mich damals stark beeindruckt, und hinaus/hinein in die welt des psychischen geschickt.

  3. Mutzi H. Europa Says:

    da könnte sogar was dran sein. die menschen, die davon sehr begeistert waren und mir das buch nahegelegt haben waren alles männer, ob man da wirklich schlüsse ziehen soll, ich weiss nicht. lieber nicht.

    der steppenwolf hat mich irgendwie auf dem falschen fuss erwischt oder ich ihn. wir kommen einfach nicht zusammen. ich werde aber mit dem ganzen hesse nicht wirklich warm. ich finde seine bücher, konträr zu ihrem status „hippie-bibel“ einfach nur heillos bieder. ob der „hippie-bibel“-status überhaupt berechtigt ist, kann ich nicht wirklich überprüfen.

    fakt ist, das der steppenwolf mal sehr in mode war, heute noch, wenn auch nicht so sehr, in mode ist, so um anfang zwanzig herum, da hat man den steppenwolf. so wie man fänger im roggen hat, paar jahre davor. oder windpocken, noch ein paar jahre früher.

  4. Afra Evenaar Says:

    Schade, die Waschfraumascha wäre wirklich was gewesen.
    Wenn du eine andere Waschfrau suchst oder gleich mehrere, denn wir wissen ja, „ich“ ist gelogen, such bei Anna Livia Plurabelle. Das hätte außerdem den Vorteil, dass du endlich Joyce lesen müsstest und gleich mit Finnegans Wake anfangen dürftest.

  5. lokalreporter Says:

    ich liebe die „biederkeit“ des hermann hesse, seine sehnsucht nach höherem, nach spiritueller weltordnung, verehre seine beschreibungen des menschwerdungsprozeß – auf hesse lasse ich ebensowenig kommen wie auf donald duck und sallinger, der hat mich nie erreicht, das war eher was für abiturienten, die ich in ihrer demonstrativen abkehr von der erlebensnormalität als die eigentlichen falschfüßler ansah.

    • Mutzi H. Europa Says:

      du hast ja recht. ich habe ja auch ziemlich viel Hesse gelesen, ich sehe die sehnsucht und den prozeß und die spiritualität und trotzdem packt mich die sache einfach nicht. das liegt nicht an dem Hesse, das liegt an der Mutzi.

      ich gestehe, ich habe eine überdosis Steppenwolf abgekriegt, weil das ganz am anfang in einem übersetzerseminar übungstext war. das heißt Steppenwolf bis zum erbrechen. es ging so weit, dass wir kurz davor waren den romantitel in „Steppelő Farkas“ (der steppende wolf) zu übersetzen. du siehst also, völlig erweichtes hirn. vielleicht muss ich nur einen neuen anlauf wagen und das blatt wird sich wenden.

      bei donald duck sind wir wieder ganz auf einer linie. bei sallinger nicht so ganz. bei falschfuß-abiturienten bin ich wieder vollends einverstanden.

      • lokalreporter Says:

        das buch von sallinger hab ich gelesen und bewundere den mann für seinen coup, aber bei ihm gehts mir wie mit franzen, den brillanten der mich nicht wirklich erreicht. ich steh mehr auf capote und wolfe, auf das handwerkliche vermögen des stephen king und auf einige beat-autoren 🙂

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