16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.

Ich gestehe, es kommt Stolz auf. Es handelt sich nicht nur um die Ästhetische Theorie von Adorno, ich habe es sogar gelesen, teilweise Raffen was drinsteht inklusive. Mein Umgang mit Büchern hat sich im Laufe der Jahre entspannt, bis hin zu mittig gefalteten Buchseiten und dergleichen. Wegschmeißen kann ich kein einziges, das nicht, aber eingeschlagene Ecken (sog. Eselsohren), Unterstreichungen, Kreise, Notizen, Übertragung der Kapitelüberschriften auf folgende Seiten, Ausrufezeichen und einige selbsterschaffene Orientierungshilfen mehr sind kein Tabu. An Stellen, die ich einfach mag, die aber gerade nicht relevant sind, male ich Herzen. An Stellen, die ich beim besten Willen nicht verstehe und dazu noch den starken Verdacht habe, es läge an irgendeiner unbegründeten Annahme oder aber es sei schlicht Quatsch, schreibe ich ein „he?“.   Philosophische Werke behandle ich wie Werkzeug. Geschätztes, gepflegtes und in dieser Form unersetzbares Werkzeug. Inzwischen gehe ich auch mit Literatur so um, allerdings treibt das seltsame Blüten, weil ich dann doch meine ein „sauberes“ Exemplar besitzen zu müssen. Ingeborg Bachmanns Werke in vier Bänden stehen daher einmal zum Anmalen als Taschenbuch und einmal zum nur mit sauberen Pfoten Anfassen gebunden im Schuber im Regal. Das, ich sehe es ein, ist eine Krankheit.

Mir ist immer nicht wohl dabei, Bücher wie dieses zu empfehlen, obwohl es eines der besten Bücher dieser Erde ist. Man sagt ja auch nicht „Lies mal Kritik der Reinen Vernunft, es wird Dir gefallen“. Es muss und soll keiner lesen aber ich bin begeistert, weil es meine Sehnsucht nach präziser Rede in der Philosophie beantwortet. Das kann man haben, das wiederum ist keine Krankheit, die Sehnsucht nach präziser Rede in der Philosophie.

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5 Antworten to “16 – Das 9. Buch in deinem Regal v.r.”

  1. lokalreporter Says:

    das hab ich auch, und sogar gelesen – und etwas mitgenommen in meine autodidaktische welt .. in bücher hineingeschrieben, habe ich immernur in die kleinen reclam-hefte. aber sätze abschreiben [also rausschreiben], das mach ich noch heute gelegentlich 🙂 PS: deine serie gehört in die ZEIT!

  2. Mutzi H. Europa Says:

    Dann kannst Du ja bestätigen, dass man das schon wirklich wollen muss, das Adornolesen. Ist schon ein sehr spezieller Spaß.
    PS: Sobald die ZEIT das Auswahlkriterium „Mutzi hat Freude dran und Lokalreporter liest es gern“ einführt, legen wir los.

    • lokalreporter Says:

      wir könnten adornos texte fragmentieren, die welt der schnellen kommunikation häppchenweise mit seinen thesen konfrontieren, diese verfremden und von der ZEIT-online wöchentlich kolumnieren lassen. was besseres fällt mir dazu grad nicht ein.

  3. oachkatz Says:

    Oachkatz liest es schon auch gern und dafür würde ich vielleicht sogar die ZEIT kaufen.

  4. Mutzi H. Europa Says:

    Das freut mich.
    Ich wollte ja nur kurz bescheiden sein. Aber wenn mich jemand entdecken will, für irgendwas, wo man dann Pelze trägt und schamlos überbezahlt wird – nur zu.

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