4 – Dein Hassbuch

So richtig hassen kann man fast nur Zeug, das man nicht wirklich gut kennt. Säulen der Erde von Ken Follett ist das Buch, das so miserabel schlecht ist, dass es nach den ersten achtzig Seiten aus meinen vor Schreck und Ekel erstarrten Fingern fiel. Ein abgekartetes, in jedem dümmlichen und sexistischem Detail berechnetes Scheißding. Es ist Dreck.

Soweit meine, auf die ersten achtzig Seiten gestützte,  Theorie. Tatsache ist, dass dieses Buch, das meine Finger niemals wieder anrühren werden, von einer aberwitzig großen Fangemeinde geliebt wird. Menschen, die ich schätze, bescherte dieses Buch irgendein Leseerlebnis, das mir und meinen vor Schreck und Ekel erstarrten Fingern für den Rest meiner Tage verschlossen bleiben wird. Ich kann also nicht behaupten, die Leute, die das Buch verschlungen und geliebt haben, könnten mir auch gestohlen bleiben. Man soll ja die Sünde hassen, nicht den Sünder.

Dann gibt es eine lange Reihe von Büchern, die ich brav gelesen habe und die mir nicht gefallen haben. Bücher, die miserabel sind, lese ich nicht mehr zu Ende. Dieser Emanzipationsprozess begann, als ich im fünften Semester Wilhelm Meisters Lehrjahre gegen die Wand schmiss und nicht wieder aufhob. Bücher, die mich von Anfang an nerven, die aber nicht miserabel sind, lese ich, wenn auch zähneknirschend, bis zum bitteren Ende. So auch Sommerhaus, später von Judith Hermann.

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