Das Apfel-Birne Problem

Für den sog. „Sinn“ dieser Mittelung werden Sie nach unten scrollen müssen, der kommt dann irgendwo hinter meiner Korrespondenz mit imaginären Freunden.

Mein lieber Herr von Ockham,

Schatz, ich habe nachgedacht. Dauert. Daher erreicht Dich meine Nachricht nun mit einiger Verspätung. Dein Messer oder Klinge oder Rasierer oder wie man das Ding hier auch immer nennt, ist, mit Verlaub, mein Lieber, zumindest teilweise: Schmarrn.
Ich weiß, so war das alles nicht gemeint, doch seit dem Messer oder Klinge oder Rasierer ist noch mehr als davor alles, was aussieht und redet wie eine Ente, eine Ente. Dabei könnte sich eine Fledermaus als Ente verkleiden und seine Stimme verstellen. Ein Ding ist wahrscheinlich und verlässlich oft das, wonach es aussieht. Aber noch verlässlicher oft ist es das nicht. Die Fledermaus findest Du vermutlich albern. Ich versichere Dir, mir ist es sehr ernst mit der Fledermaus und verbleibe respektvoll dennoch kritisch deine

Mutzi

PS: Wundere Dich nicht, lieber Wilhelm, ich habe die Schlösser austauschen lassen.

Jetzt aber: Sinn. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, ob man Frühjahrsputz und den Kampf gegen das Zeug, auch Das Große Aufräumen genannt, über einen Kamm scheren kann. Kann man nicht.

Obwohl sich Frühjahrsputz und DGA stark ähneln in Sachen Energiebedarf, Komplexität und entgegengebrachten Widerwillen, sind sie nicht dasselbe Ding. Putzen ist vergleichsweise einfach. Das Zeug ist ein gänzlich anderes Biest. Dass  aufgeräumte Wohnungen oft saubere Wohnungen sind, ist auf die Doppelbegabung der dort wohnenden Person oder aber auch auf eine optische Täuschung zurückzuführen.

Über Das Große Aufräumen weiß ich wenig. Was ich davon kenne, ist ein Zustand wie Grabenkrieg. Ich und das Zeug, wir gucken uns an, es gibt Drohgebärden und ab und an einen beherzten Angriff. Was ich auch noch weiß ist, dass man unterscheiden muss zwischen dem Teil, der einen selber nervt, dem Teil, der andere nervt und dem Teil, von dem man meint, dass der andere nervt. Dann ändern Sie, was sie können, lassen, was Sie nicht können und wenn Sie die Weisheit gefunden haben, das eine von dem anderen zu unterscheiden, sagen Sie mir Bescheid.

Ich habe beobachtet, dass die Unordnung in Schichten liegt. Oft ist es so, dass schon die Entfernung der obersten Schicht große Befriedigung mit sich bringt. Die oberste Schicht ist meistens die, die man panisch entfernen würde, wenn Besuch kommt. Auch wenn Sie die Kaffeetasse gleich mitnehmen in die Küche anstatt sie stehenzulassen, wird es Ihnen schlagartig besser gehen, wenn rumliegende Stapel von Zeug in säuberlich geradegerückten Stapel liegen, davon wird es auch besser.

Die mittlere Schicht würde man entfernen, wenn Staatsbesuch kommt, oder Besuch zum Beeindrucken oder besonders pingeliger und liebenswürdiger Besuch. Hierzu muss man nur den pingeligen Besuch einladen, denke ich, und dann noch die Panik früh genug aufbauen. Das, was in Schubladen liegt, liegt da meistens gut. Zeitweilen befällt einen Muße und man räumt die aus, auf, ein. Das kann man nicht zwingen. Kommt Zeit kommt Rat. Man könnte sich vorstellen, die Stasi kommt zu Besuch, die würde sicher auch in die Schubladen gucken, aber wer räumt schon für die Stasi auf.

Dann habe ich noch eine letzte Idee, Anwendung noch nicht getestet: Man stelle sich vor, man lebt auf einem Boot. Wenn man alles so wegräumt, dass es einen bei leichtem Seegang nicht unter sich begräbt, müsste es, so die Theorie, ordentlich aussehen.

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6 Antworten to “Das Apfel-Birne Problem”

  1. lokalreporter Says:

    mit vergleichen ist es so eine sache. manchmal hilft es bei der entscheidungsfindung, und manchmal bringt es gar nichts. als vertreter des sowohlalsauch, wähle ich gerne mehrere wege, wäge je nach bedarf ab und werfe dann doch meist alles in eine schale – gehe den pfad frischüberlegter erkenntnis mit stoischer glücksbereitschaft .. springe spontan in die höh‘, schnapp‘ mir den staubsauger und dreh‘ eine schnelle runde im arbeitszimmer .. vom virus gepackt, begebe ich mich auf die knie, streiche mit einem taschentuchgroßen filztspatel entlang der zwischenvertiefungen des parketts – dieses ist stets ein akt der kontemplation, eine geste der demut vor dem raum und der leere ..

  2. Mutzi H. Europa Says:

    Genau. Muße. Kann man nicht zwingen.

  3. lokalreporter Says:

    muse / raum / zeit

  4. lokalreporter Says:

    spontanität

  5. Mutzi H. Europa Says:

    und Cidre. sehr kalt. wirkt wunder

  6. lakritze Says:

    Entzückender Text!

    Für die Stasi würde ich nicht aufräumen. Für die würde ich Haufen sinnloser, aber sehr verzwickter Symbole hinterlassen und kryptischer Systeme, die man nur sehr schwer in Gänze erfassen, geschweige denn dokumentieren kann. Also ungefähr das, was ich sowieso schon in meinen Schubladen habe.

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