Kant und der Frühjahrsputz

Dieser Artikel beschäftigt sich mit theoretischen Grundlagen des Frühjahrsputzes und räumt bereitwillig ein, dass ein Frühjahrsputz ohne Immanuel Kant durchaus zu bewerkstelligen ist. Wenn Philosophen putzen, sieht die Sache schlagartig  anders aus. Ich habe festgestellt, man kann gleichzeitig denken und putzen. Ich gebe zu: Die Strenge der Analyse leidet.

Und doch, es gibt einen Punkt, hinter dem Nebel und den Dämpfen von General Bergfrühling, da ergeben sie einen Sinn, der Kant und der Frühjahrsputz. An drei Stellen wird die tiefe Verbundenheit der beiden offenbar. Sie sind:

  1. ohne Gnade
  2. heillos bieder
  3. common sense

Der Frühjahrsputz, wie auch Kant, wirft Fragen auf. Für Kant waren die vier grundlegenden Fragen der Philosophie die folgenden:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was kann ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Als Kant fertig war, hatte er nicht nur alles, was im christlichen Abendland je vernünftig war und sein würde, säuberlich geordnet, sondern ganz nebenbei auch noch einen Gottesbeweis vorgelegt. Da, wo ich herkomme, sagt man bei diesem Grad an Reinlichkeit und Ordnung dass sogar die Fliegen ausrutschen, so sauber ist es hier. In der Philosophie nennt man etwas, wo sogar die Fliegen ins Rutschen kommen, wiederum slippery slope. Die ungarischen Fliegen liegen richtig, sollten Sie daran Zweifeln, konsultieren Sie bitte die Herren Horkheimer und Adorno.

Die gute Nachricht: gegen die Letztbegründung von praktisch allem ist der Frühjahrsputz ein Klacks. Davon wird der Frühjahrsputz noch nicht leicht, Sie können aber nun unschwer einsehen, dass es zumindest vergleichsweise einfach ist.

Die Grundfragen, die das Subjekt im Laufe der Putzerei befallen, sind weniger weltbewegend. Der Frühjahrsputz ist einer der großen praktischen  Herausforderungen, die verlangen, dass den Fragen, die das Subjekt bewegen, der Vorzug gegeben wird. Anderenfalls kommt es zu Motivationsproblemen bis hin zum Abbruch des Frühjahrsputzes. Sie ahnen es: die Fragen, aber ja doch, es sind vier.

1. Habe ich einen Plan?
2. Wie mache ich am besten sauber?
3. Warum nochmal habe ich das hier überhaupt angefangen?
4. Diese Person, die gerade auf den Knien die Dielen schrubbt, bin das etwa ich?

In den Nebeln kamen die Antworten zu mir.
Erstens:  Man braucht keinen Plan. Man muss einfach putzen.
Zweitens: Es gibt Tricks, die das Putzen leichter machen, putzen muss man trotzdem.
Drittens: Sie haben angefangen, weil Sie sauber machen wollten, so sauber wie noch nie zuvor. Und genau deshalb machen Sie auch weiter, komme was wolle.
Viertens: O JA.

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9 Antworten to “Kant und der Frühjahrsputz”

  1. lakritze Says:

    »Was kann ich hoffen?« Nun, ich stelle ich mir ja immer noch die Frage: Wie belohne ich mich hinterher, wenn alles erledigt ist?

    • Mutzi H. Europa Says:

      Ich habe mich abei erwischt, wie ich dastand und meine frisch geputzten, glänzenden und aalglatten Kacheln streichle. Ist es nicht Belohnung genug, dieses kathartische Sichverlieren im Objekt?
      Oder aber auch: Pralinen, gefüllt mit Pralinen.

  2. Mutzi H. Europa Says:

    Osterhase, Schaffen, Sandmännchen, befriedeter Perfektionsdrang, intrinsische Motivation, Schokonikolaus. Ja genau

  3. joulupukki Says:

    In Bulgakows Meister & Margarita empfiehlt Besdomny ja für diesen Gottesbeweis solle man Kant 5 Jahre nach Keslowozk schicken. Wie man Keslowozk schreibt weiß ich zwar nicht, aber vielleicht sollte man ihn für etwaige Putzverleitungen auch gleich noch 5 Jahre drauflegen und sich einen Putzboy zulegen. Meint die Weihnachtsfrau mal so …

    • Mutzi H. Europa Says:

      Ich weiß auch nicht, wie man Keslowozk schreibt. Der Besdomny in meiner Ausgabe redet von Solowki und milden 3 Jahren. Keslowozk gefällt mir besser.
      Putzboy: ja, bitte.

      • joulupukki Says:

        Ach, deshalb hab ich unter Keslowozk nichts ergoogelt. Kein Wunder, wenns Solowki heißt. ^^
        Jetzt wo Dus sagst, erinnere ich mich auch wieder…

  4. lokalreporter Says:

    die gegenseitigkeit des vorgangs ist belohnung & befriedigung .. bei mir ist das jedenfalls in putzangelegenheiten so 😉 -> großer text!

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