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Kant und der Frühjahrsputz

30. Mai 2010

Dieser Artikel beschäftigt sich mit theoretischen Grundlagen des Frühjahrsputzes und räumt bereitwillig ein, dass ein Frühjahrsputz ohne Immanuel Kant durchaus zu bewerkstelligen ist. Wenn Philosophen putzen, sieht die Sache schlagartig  anders aus. Ich habe festgestellt, man kann gleichzeitig denken und putzen. Ich gebe zu: Die Strenge der Analyse leidet.

Und doch, es gibt einen Punkt, hinter dem Nebel und den Dämpfen von General Bergfrühling, da ergeben sie einen Sinn, der Kant und der Frühjahrsputz. An drei Stellen wird die tiefe Verbundenheit der beiden offenbar. Sie sind:

  1. ohne Gnade
  2. heillos bieder
  3. common sense

Der Frühjahrsputz, wie auch Kant, wirft Fragen auf. Für Kant waren die vier grundlegenden Fragen der Philosophie die folgenden:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was kann ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Als Kant fertig war, hatte er nicht nur alles, was im christlichen Abendland je vernünftig war und sein würde, säuberlich geordnet, sondern ganz nebenbei auch noch einen Gottesbeweis vorgelegt. Da, wo ich herkomme, sagt man bei diesem Grad an Reinlichkeit und Ordnung dass sogar die Fliegen ausrutschen, so sauber ist es hier. In der Philosophie nennt man etwas, wo sogar die Fliegen ins Rutschen kommen, wiederum slippery slope. Die ungarischen Fliegen liegen richtig, sollten Sie daran Zweifeln, konsultieren Sie bitte die Herren Horkheimer und Adorno.

Die gute Nachricht: gegen die Letztbegründung von praktisch allem ist der Frühjahrsputz ein Klacks. Davon wird der Frühjahrsputz noch nicht leicht, Sie können aber nun unschwer einsehen, dass es zumindest vergleichsweise einfach ist.

Die Grundfragen, die das Subjekt im Laufe der Putzerei befallen, sind weniger weltbewegend. Der Frühjahrsputz ist einer der großen praktischen  Herausforderungen, die verlangen, dass den Fragen, die das Subjekt bewegen, der Vorzug gegeben wird. Anderenfalls kommt es zu Motivationsproblemen bis hin zum Abbruch des Frühjahrsputzes. Sie ahnen es: die Fragen, aber ja doch, es sind vier.

1. Habe ich einen Plan?
2. Wie mache ich am besten sauber?
3. Warum nochmal habe ich das hier überhaupt angefangen?
4. Diese Person, die gerade auf den Knien die Dielen schrubbt, bin das etwa ich?

In den Nebeln kamen die Antworten zu mir.
Erstens:  Man braucht keinen Plan. Man muss einfach putzen.
Zweitens: Es gibt Tricks, die das Putzen leichter machen, putzen muss man trotzdem.
Drittens: Sie haben angefangen, weil Sie sauber machen wollten, so sauber wie noch nie zuvor. Und genau deshalb machen Sie auch weiter, komme was wolle.
Viertens: O JA.


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