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Entropie vs. Martha

12. April 2010

Vor einiger Zeit hatte ich eine kurze dennoch erfolgreiche Phase, dessen Ergebnis ich liebevoll als Frühjahrsputz bezeichne. Seitdem kriecht das Chaos aus allen Ecken wieder heraus und hat im Laufe der letzten zwei Wochen meine Wohnung mit Tassen und Steuererklärungen und Wollmäusen überflutet. Es hat kein Ende mit dem Zeug. Ständig will irgendwas sauber gemacht und aufgeräumt werden. Wenn man nicht spurt, wird das Zeug aggressiv. Erst treibt es einen in die Enge, dann stellt es einem ein Bein. Später will man irgendwas abstellen, stellt aber fest, dass das Zeug seine territorialen Ansprüche gewaltsam durchgesetzt hat.

Geschlossene Systeme entwickeln sich spontan immer nur in Richtung wachsender Unordnung. Wenn Sie mich fragen, verhalten sich Wohnungen als geschlossene Systeme. Wenn Sie Zeug in das System speisen und gleichzeitig anderes Zeug entfernen, haben Sie es noch lange nicht ausgetrickst. Sie müssen Energie in das System speisen um die Unordnung aufzuhalten. Aufgeräumtes Zeug will, wie jedes anständige Teilchen, den Überschuss an Energie gerne wieder abgeben und strebt, sobald Sie nicht hinsehen, nach einem Gleichgewicht, das Sie Unordnung nennen. So sieht das zumindest aus, zumindest für Waschbären, wenn sie eines Tages dastehen und sich fragen wieso es wieder so aussieht, wie es aussieht. Die Wahrheit ist: Das Zeug in Ihrer Wohnung will nichts böses, es würde in kristalliner Perfektion erstarren ein für alle Mal aber Sie laufen ja ständig darin herum und machen das Zeug ganz wuschig. Eine andere Wahrheit ist: Es herrscht fast immer Ordnung, wir wissen nur nicht, welche. Leider hilft das einem nicht weiter, wenn es aussieht, wie es aussieht.

Obwohl ich  Teil des Systems bin und Seite an Seite mit dem Zeug in Richtung wachsende Unordnung strebe, muss ich mich ab und an gegen die Naturgesetze wenden. Naturgesetze nehmen es einem scheinbar sehr krumm. Das Zeug, das ich mit dem Frühjahrsputz zurückgedrängt habe, fühlt sich ausreichend provoziert um ein Krieg anzufangen. Das Zeug kennt keine Zivilisten. Ich habe es mit dem geordneten Rückzug versucht, es kennt keine Gnade.

Dann eben Krieg. Wo rennt man hin, wenn man nicht weiter weiß? Zu Martha Stewart selbstverständlich.
Sie sagt, man soll sechs tägliche Präventivschläge austeilen, die das Zeug in Schach halten.

  1. Das Bett machen. (Dann ist man automatisch ab früh morgens schon auf Ordnung geeicht.)
  2. Zeug, das rumsteht, wo es nicht soll, beim Verlassen des Raumes mitnehmen dahin, wo es sein soll. (Sie erwähnt nicht, dass ich eine Schubkarre bereithalten soll)
  3. Post sortieren. (Tatsächlich ist der Postkasten einer der liebsten Schleichwege von Zeug in die Wohnung hinein.)
  4. Abspülen während man kocht.
  5. Ausgekipptes sofort entfernen. (Soweit bin ich immerhin schon.)
  6. Küche täglich fegen. (Wer bitte fegt seine Küche jeden Tag? Genau: Martha. Genaugenommen: Marthas Personal)

Ich habe den Verdacht, dass dies erst nach einem erfolgreichen Feldzug gegen das Zeug wirksam ist. Mal sehen.


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