Die Fleck-Affäre

Wie widrige Umstände zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt den Größten Annemhbaren Fettfleck produzieren, erfahren Sie bei Joulupukki. Wie für Vieles, das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt geschieht, gibt es auch für den Fettfleck keinen wirklich günstigen Zeitpunkt. Der  dokumentierte Fleck wurde von Olivenöl verursacht. Wie aus den Kommentaren zu erfahren, wurde mit Backpulver alles gut.

Fast alles.

Da war er plötzlich, der Ketzer vom Dienst, der seine Zweifel an Hausmitteln gegen Fettflecken zum Ausdruck brachte. Wohl wissend, dass Techniken dieser Art von Großmüttern tradiert werden, griff er gekonnt die Technik zusammen mit der Quelle an und bezeichnete diese als „Mythen der Großmütter“.
Nun, Verehrtester, das ist mal ein Handschuh, den ein Waschbär aufheben muss.

Nehmen wir mal an, mir begegnet ein Fettfleck. Dass Fettflecken hartnäckiger sein können als Waschpulver und Maschinenwäsche, ist ein Fakt. Mir begegnen Vorschläge zur Fleckentfernung auf zwei Kanälen:
a) Menschen, die bereits erfolgreich einen gleichen oder ähnlichen Fleck entfernt haben, sagen mir, wie es geht.
Siehe: Großmutter.
b) Mein Fernseher teilt mir mit, wie es geht.
Siehe: Werbung.
Fazit: Finger weg von meiner Oma!

Wieso sich Zeugs in anderes Zeugs löst, ist für Waschbären, Großmütter oder den Fettfleck nicht von Belang. Es soll funktionieren.  Dass Dinge  funktionieren, auch wenn man nicht genau weiß warum, trennt Großmutters Weisheit von das Schlucken von Krötchen bei Vollmond (vorläufig kein Anwendungsgebiet bekannt).

U wanna battle with me?

Selbstverständlich funktionieren Dinge, die funktionieren, nicht ohne Grund. Drum:

1. Mehl: saugt das Öl auf, das die betroffenen Textilien noch nicht eingesogen haben. Das ist deshalb ganz wunderbar, weil man einerseits die Ausbreitung des Flecks verhindert, andererseits sich erspart, Öl lösen zu müssen, das noch gar kein Fleck ist, das steht da nur so rum und wartet, bis es an die Reihe kommt. Man trennt so die Angriffstruppen von ihrer Versorgung ab.

2. Butter: löst Öl nicht auf, ist aber gerne bereit, sich damit zu mischen. Das ist eine Falle für das Öl: für die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zum Zwecke der Ablenkung schicken wir dem Öl einen Freund vorbei. Zur Zeit befindet sich nicht mehr nur Öl auf der Hose, sondern ein Butter-Öl-Gemisch. Das macht einen Unterschied: das Öl ist nun in der Butter, die in der Hose ist und nicht neben oder unter der Butter. Genauso, wie ein Spülmittel mit kalter Butter besser klarkommt als mit Öl, kommt das Waschmittel mit kalter Butter besser klar, als mit Öl. Mit dem Butter-Öl-Gemisch kommen die meisten Waschmittel gut bis mittelmäßig klar, weil dafür eine schwächere Lauge und eine Runde Enzyme ausreichen.
Bei Öl liegt die Sache anders: wenn man einem ordentlichen Ölfleck mit Wasser kommt, lacht es einen aus, auch wenn darin Waschmittel rumschwimmt. Butter ebnet den Weg zwischen Öl und einer milden Lauge. An diesem Punkt kann man das Ganze ziemlich gut aus dem Hinterhalt mit Pril attackieren.

3. Backpulver: enthält Natron. Backpulver zerfällt nur bei Hitze vollständig in Natrium, Kohlendioxid und Wasser. Ohne Hitze reagiert das Natron mit den dem Backpulver beigefügten Säuren, sobald Wasser im Spiel ist, daher sprudelt der Spaß kurz, hat aber immer noch genügend Schmackes um das Öl in der Hose zu verseifen, wie sein großer Bruder Soda. Verseiftes Öl löst sich in Wasser: Sieg.

Wenn das alles Mythos ist, müssen wir Chemie neu definieren. Wenn Chemie alles ist, was man nicht essen kann, hat Martha Stewart eine Strategie  im Angebot:  erst Azeton, dann Isopropylalkohol, dann  eine Lösung aus Spülmittel und Wasser, dann ein Waschmittel mit Enzymen, dann erst in die Waschmaschine. Nachzulesen in „stain removal basics“.

In meinem Zuber dagegen wird großer Wert darauf gelegt, sowohl mit Großmutter, als auch mit dem Genfer Protokoll im Einklang zu bleiben.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

18 Antworten to “Die Fleck-Affäre”

  1. joulupukki Says:

    APPLAUS!
    Ha, jetzt ist der Fleck nicht nur draußen, jetzt hab ich sogar verstanden warum. Ich bin begeistert, liebe Waschbärfrau!

  2. Afra Evenaar Says:

    Und wieder einmal bin ich hingerissen von solcherart philosophischen Klarspülgedanken, die sich selbst in der Praxis bewähren. Kniefall.

  3. lokalreporter Says:

    eine wunderbare affäre!
    habe den text dem sohn in die schule mitgegeben, die haben gerade chemie [epochenunterricht] .. habe angeregt, aus dem backpulver-absatz ein kleines referat zu halten ..

  4. Mutzi H. Europa Says:

    Für Silber empfiehlt der Waschbär, der als Kind keinen Chemiebaukasten bekam und diesen Mangel gerne beim Putzen kompensiert: Alufolie, Salz, heißes Wasser.

    • joulupukki Says:

      Just gestern sah ich in der Glotze einen Testvergleich zwischen der Zahnarzt und Alu/Salz Methode. Fazit: sauber wurde beides, aber Zahnpasta bringt das Silber besser zum glänzen.

      • Mutzi H. Europa Says:

        Ich bin bereit das zu glauben. Polieren erzeugt schließlich Glanz.
        Beim Putzen gibt es seit jeher zwei konkurrierende Schulen: die Einen wollen schrubben, die Anderen weichen lieber ein. Eine Frage des Temperaments aber auch der Aufgabe und nicht zuletzt eine der kindlichen Chemiekasten-Sehnsucht.

    • vilmoskörte Says:

      Aber nicht im Edelstahlspülbecken, da will das Salz nicht so recht mit dem Alu arbeiten, ich schlage Plastikschüssel vor.

  5. oachkatz Says:

    Da Capo.

  6. lokalreporter Says:

    zahnpasta ist ebenfalls sehr gut gegen pickel .. trocknet übernacht pubertäre erhebungen auf der haut oberfläche aus, falls sich sowas mal bilden sollte.

  7. Mutzi H. Europa Says:

    Ich merke schon, Zahnpasta muss näher untersucht werden.
    Der schönste Fleckentfernungs-Tipp, der mir je begegnet ist, verwendet ebenfalls Zahnpasta. Irgendwo im Internet steht: „Alte oder unbekannte Flecken kann man eventuell mit Zahnpasta entfernen“.
    Scheinbar kann man beinahe alles mit Zahnpasta entfernen. Eventuell.

  8. hotzenplotz Says:

    Toll, wieder was gelernt.

    Eine Frage treibt mich aber doch weiter um: Was mache ich, wenn ich beispielsweise im Besitz eines mittleren Öltankers bin, der irgendwo im Ärmelkanal, sagen wir vor der Küste der Bretagne auf einen Felsen läuft und seine Ladung, das sind vielleicht 250.000 Tonnen Öl, ins Meer verliert.
    Wieviel Butter müsste ich in einem Begleitconvoi mitführen, um auf diese Eventualität ausreichend vorbereitet zu sein? Und gibt es Unterschiede bei der Bekämpfung von Rohölpest und Schwerölpest?
    Hilft eventuell auch eine entsprechende Menge Zahnpasta?
    Was hätte Großmutter uns geraten?

    An die Genfer Konvention sollte man sich meines Erachtens sowieso in allen Lebenslagen halten.

    • Mutzi H. Europa Says:

      Großmutter, und hier kann ich nur für meine sprechen, würde im Falle von Roh- und/oder Schwerölpest zur Flucht raten. Die Zahnpasta würde sie sicher mitnehmen.
      Butterbegleitconvoi kontraproduktiv, emulgiertes Öl im Meer ist böse. Bei der Bekämpfung von Ölpest beeilen sich die Havariekommandos auch deshalb so sehr, weil sie das Öl abpumpen wollen, bevor es emulgiert und beschließt, im Wasser zu bleiben.

      Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Ärmelkanal vorübergehend mit milder Lauge zu fluten (und das ist kein Vorschlag), stehen die Dinge natürlich anders.

      Ich bitte ausdrücklich darum, Havarien zu unterlassen, besonders solche von Öltankern.

  9. hotzenplotz Says:

    Werde versuchen, deine Bitte zu beherzigen. Das war aber auch nur für den Fall, dass was passiert, noch ist ja alles in Butter.

    Sollte nun aber das Öl in den Brunnen gefallen sein, wie bekommt man
    a) die Vögel wieder sauber?
    b) den Strand?

    Irgendwelche Tipps? Vögeln die Zähne putzen ist glaube ich Tierquälerei.
    Haben Vögel überhaupt Zähne?

  10. Mutzi H. Europa Says:

    Eher keine Zähne, denke ich. Das Waschen von Vögeln wird kontrovers diskutiert. Ab der Havarie ist alles tragisch falsch und lässt sich von Menschenhand nur begrenzt in die richtige Richtung biegen.

    Vögel und Strand müssen von Experten gereinigt werden. Man kann da ganz viel falsch machen. Ich bin eher auf Fell geeicht.
    Und eben ein Raubtier, wenn auch ein kleines. Lösungsvorschläge, die Butter verwenden, sind dieser raubtierhaften Tendenz zuzuschreiben: In Öl den Garaus, in Butter gar. Kommt wahrscheinlich stark auf das Öl an.
    Der Strand macht sich angeblich selber sauber. Irgendwann mal.

  11. Afra Evenaar Says:

    Da haben sich zwei Sprachkünstler gefunden. Hochgenuss!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: