Kampf um und Befreiung von Scheinen

Warnhinweis: für die Reinigung von Heiligen samt ihren Scheinen konsultieren Sie bitte den Artikel Nicht verzagen, Mutzi fragen: Heilige. Auch das sogenannte „Madonnen-Huren-Problem“ wird später behandelt. Hier geht es ausschließlich um Hauptseminarscheine und akademische Eitelkeit in Reinform.

Ein Schein ist, nebst anderen und weitaus poetischeren Daseinsformen, auch ein Leistungsnachweis im Bereich der Hochschulbildung. Vgl: Wisch.

Ein wenig, nicht viel, Poesie, wenn nicht Absurdität, schleicht sich in die Angelegenheit dann ein, wenn man feststellt, dass man Scheine häuft um sich schließlich von ihnen zu befreien. Hat man nämlich eine bestimmte Anzahl zusammen, zum Beispiel vier pro Hauptfach, heißt man scheinfrei und nicht vier-Scheine-Mädchen oder acht-Scheine-Mädchen, falls zum Beispiel zwei Hauptfächer.

Sollte dieser Zustand der Scheinfreiheit erlangt sein, ist das Ihre Eintrittskarte ins Magisterprüfungsverfahren (nicht zu verwechseln mit: Ehefähigkeitszeugnis) oder irgendwas anderes, das durchaus das Zeug dazu hat, Sie in kleinen Fetzen am Boden liegenzulassen. Deshalb: Halten Sie kurz inne, Feiern Sie Dinge, wie sie fallen. Wenn Sie zum Beispiel ihre letzte Hausarbeit abgegeben haben, zum Beispiel über Glück und Sie haben zum Beispiel eine 1,0 und einen verwirrend großen Sack Komplimente dafür bekommen, dann ist es Zeit, in Eitelkeit zu baden.

Hierzu stellen Sie bitte nicht nur Bescheidenheit und Selbstzweifel, sondern auch Ihre analytischen Fähigkeiten kurz zu Seite, wir wollen hier schließlich ein Ego baden und keinen Wasserschaden im Hirn verursachen. Achten Sie darauf, Ihr Ego komplett zu bedecken, die Gelegenheit kommt so schnell nicht wieder.

Stellen Sie dieses Bad nicht in Frage.
Kann ein Schein tatsächlich ein Lebensentwurf legitimieren?
Sicher nicht, aber Ihre analytischen Fähigkeiten haben wir ja bereits in den Urlaub geschickt. Folglich: Scheiss‘ der Hund drauf.
Sind Noten wirklich wichtig? Kein Kommentar.
Ist man so Abhängig von Anerkennung? O JA.

Selbst wenn Ihnen die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Leistung und Erfolg kompliziert und eigenartig kontingent erscheinen: Triumph beherrscht man instinktiv. Hüpfen Sie, tanzen Sie (Hüftschwung, kleine Drehungen, Jazz hands!), umarmen Sie Leute, telefonieren Sie, flippen Sie aus, machen Sie sich keine Sorgen, das Ganze ist schneller vorbei, als Sie denken.

Bilden sich im Eitelkeitsbad Wellen oder Schaum, ist es Zeit, Ihr Ego wieder aus dem Bad zu nehmen. Ego behutsam abtupfen, wieder beiseite stellen. Ego nicht polieren. Bescheidenheit, Selbstzweifel und das restliche Gehirn wieder an die ursprüngliche Stelle zurückbringen, bitte rasch, dann erwischen Sie eventuell noch den leichten Dampf des Vollbads und fallen nicht ganz so hart.

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6 Antworten to “Kampf um und Befreiung von Scheinen”

  1. Afra Evenaar Says:

    Gutes Projekt, das Ego baden ohne einen Wasserschaden im Hirn zu verursachen. Gratuliere zu Ursache und Wirkung!

  2. lokalreporter Says:

    ein gesundes ego freut sich immer über anerkennung, strebt nach bewertung und hierarchie. wichtig dabei, dem ego nie die oberhand überlassen. solange es in diensten des selbst steht, sind seine eskapaden tolerierbar, gerät es jedoch außer kontrolle und stellt sich über die essenz des selbst-ich, ist es mit argwohn anzuschauen und genauester beobachtung zu unterziehen [falls diese reflexion für das fokussierende prüfungs-ich überhaupt wahrnehmbar ist].
    außerdem, mit einer mit 1 bewerteten hausarbeit im sack läßt sich sowas umgangssprachliches schonmal sagen: scheiß der hund drauf!

  3. Mutzi H. Europa Says:

    Vielen Dank. Keine Sorge, das ganze Projekt dauert höchstens eine dreiviertel Stunde. Das kann ich noch unter „kleine Eskapade“ verbuchen, oder?

  4. vilmoskörte Says:

    Alles eitel Sonnenschein! Ich gratuliere.

  5. Schein her weg wie wo was. Ach nee, Ego baden. – miss sophie Says:

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