Zarte Blüten wäscht man nicht.

Geben Sie Ihre Wäsche niemals aus der Hand ohne sämtliche Taschen auf geistiges Eigentum zu überprüfen. Wie das Gehirn, will auch geistiges Eigentum nicht gewaschen werden. Versehentlich mitgewaschenes oder von fremden Händen unaufmerksam gereinigtes geistiges Eigentum kommt nicht unbeschadet davon. Im Juli dem falschen Medium überlassen, ist meine frühe Korrespondenz mit der Außenwelt halb verloren, da bis zur Unkenntlichkeit verwaschen. Es ist nicht notwendig die bessere Hälfte, die die Wäsche übersteht.

Das traurige Ergebnis ist ein Anflug von Sinn aber auch nicht mehr:

S.K.H. Marcus Aurelius A. A.,
ihre K. Hoheit schreiben: „Du musst sein wie ein Fels, an dem alle Wogen sich brechen. Er steht, die Brandung aber wird müde.“ Ich muss Sie untertänigst davon unterrichten, noch nie einer müden Brandung begegnet zu sei

Nur mit außerordentlich viel Glück bleibt der Kern der Mitteilung erhalten:

to whom it may concern,
beiliegend sende ich Ihnen ihren, an Fr. Pathos adressierten, Brief zurück. Leider kann ich Ihnen bei der Zustellung nicht behilflich sein. Frau Pathos wohnt hier nicht mehr. Bitte wenden Sie sich an ihr zuständiges Postamt und

Der Lösungsvorschlag fällt hinten ab, die Grußformel ist verschwunden, dabei weiß ich noch ganz genau, dass ich sehr, sehr höflich zum Subjekt war:

Liebes Subjekt,
in Ihrem Antrag auf Autonomie vom 10.7.2009 haben wir das Fehlen wichtiger Unterlagen und sog. Argumente festgestellt. Ihnen ist bestimmt ein Fehler in ihrer Disposition unterlaufen. Wir sind sehr an einer positiven Lösung dieses Problems

Die gesammte Nachricht bleibt sinnfrei, wir erfahren nur, dass sich auch bei Kant mal etwas reimt:

Betrifft: „Das Prinzip der Autonomie ist also: nicht anders zu wählen als so, dass“

Lieber Herr Kant,
Sie haben in Ihrer Schrift „Grundlegung der Metaphysik der Sitten“ im Zuge der Begründung der Willensfreiheit als oberste Prinzip der Sittlichkeit,

Waschen hat das Potential zur großen Tragödie. Das hier ist  fast so fies, wie damals, als ich meine Wolle-Seide-Hose aus der Waschmaschine kommen sah, die war auch nur noch die Hälfte des Originals.

Geben Sie niemals, niemals nie, geistiges Eigentum, dass Sie lieber selbst vernichten wollen, in fremde Hände. Überprüfen Sie immer alle Taschen vor dem Waschvorgang. Anderenfalls stehen Sie eines Tages da und fangen Sätze mit „ich dachte“ an.

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9 Antworten to “Zarte Blüten wäscht man nicht.”

  1. Afra Evenaar Says:

    Und wer war das nun, der deine zarten Blüten so verstümmelt hat?

  2. lakritze Says:

    Facebook macht sowas? Diese Sorte Wäsche nennt man, glaubich, »das Kind mit dem Bade ausschütten«.

  3. lokalreporter Says:

    das durchsuchen der taschen vor dem waschgang schützt die wolle-seide-hose auch nicht vor zu heißer temperatur – und facebook verkürzt geistiges eigentum ja nur aus platzgründen .. 🙂 #hübscher blogtitel!

    • Mutzi H. Europa Says:

      Das ist mir klar. Die Wolle-Seide-Hose kommt hier nur zum Zug um mein Gejammer ob meiner halbverlorenen Schnipsel mit einer tatsächlichen Tragödie in Verhältnis zu setzen. Von den Platzgründen weiß ich jetzt, obwohl ich nach wie vor kein Verständnis für sie habe. Und Dankeschön.

  4. lokalreporter Says:

    mhh .. handwäsche nimmt ja auch kaum platz weg ..

  5. karu02 Says:

    Auch die „Blüten“ sollten vorher aus den Taschen entfernt werden. Echtes Geld hingegen hält das aus, was ich aus Erfahrung weiß.

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