Verlies Navidad

29. Dezember 2015

Jetzt, da das Schlimmste vorbei ist, können wir drüber reden.

Weihnachten kann schön sein, meistens ist es aber nicht mehr feierlich.

Ich sag es mal so: Es ist jedes Jahr dasselbe.
Bei mir ist es zum Beispiel so, dass es immer heißt, wir feiern als kleine Familie: Vater, Mutter, Kind. Weil wir haben ja das Kind, das macht aus uns Familie und da hat man ein Argument mehr, gegen den Rest von Familie. Denkste Puppe.

Jedes Jahr dasselbe. Ich knicke zuerst ein, unter dem Druck der Schwiegereltern, die sagen, sie wären sonst allein an Heiligabend.  Vater des gestreiften Kindes sagt vernünftig: Nein.

Jedes Jahr dasselbe. Vater des vernünftigen gestreiften Kindes knickt ein. Weil sonst müsste man ja in die Berliner Vorstädte gen Osten reisen, gleich am nächsten oder übernächsten Tag. Außerdem, sagen Sie es keinem, liebt er seine Eltern. Darum klebt, auch für ihn, das Alles fest an dem Datum. 24, 25, 26, was liegt, das pickt. Alles Andere ist ja nicht Weihnachten. Man mag einwenden auch Weihnachten sei nicht Weihnachten, aber man kommt damit nie wirklich weit. Wenn man vorhat, die Erwartung „an Weihnachten besucht man seine Eltern“ zu erfüllen, hat man drei Tage Zeit oder man hat versagt bei der Mission. Um das ein für alle Mal klarzustellen: Diese ist eine Mission für Krieger.

Dieses Jahr war es etwas anders. Dieses Jahr wusste sogar der Fleischer vor mir, dass meine Schwiegereltern zum Heiligabend da sein würden und verkaufte mir das Rippenstück, das ich haben wollte und abwiegen ließ, weil ich brauche ungefähr ein Kilo, zusammen mit einem zweiten Rippenstück. Da dem türkischen (nennen wir ihn mal liebevoll) Katzenfleischer die Floskel „Darf es ein bisschen mehr sein“ abgeht, fragte er mich, ob es so passt. Da waren wir bei 1800 Gramm.
Ich musste lachen. Wer lacht, der kauft. Bester Gulasch aller Zeiten. Vom Rind, falls Zweifel bestehen.

Ich rate sehr zum türkischen Katzenfleischer. Im Grunde ist er kein Katzenfleischer, wie die anderen winzigen Lebensmittelläden mit kleiner Fleischtheke mitten im Multikulti. Er ist der Randfleischer.
Da wo ich wohne, ist er der nächste, fantastische Fleischer am Rand des Gewerbemischgebiets, wo „misch“ vor allem eine Legion türkischer und arabischer Mammas ist, die kochen, dass der Jesus Christus zum Abendessen wieder vom Kreuz kommt.
Der Fleischer hat einen Blick in die Zukunft, die Mammas kochen, was will man mehr.

Es ist Zeit, dass die Spaßverderber mal vom Kreuz kommen.

Wir brauchen das Holz.

 


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