Wenn irgendwelche wildfremden Leute mir auf offener Straße ungebeten auf das Kind, das ich mit mir rumtrage, ansprechen, kann ich das inzwischen ab. Ob das Kind denn Luft bekommt, ob es nicht fürchterlich schlecht ist für die Wirbelsäule, ob ich es nicht fürchterlich verwöhne mit der ganzen Rumtragerei. Es reizt mich immernoch stark, die Frage ob es atmet, das Kind, mit “ich hoffe nicht” zu beantworten. Dann rufen aber Leute vermutlich das Jugendamt. Oder das Jugendgesundheitsamt. Oder gleich die Vogonenflotte.
Wenn aber irgendwelche wildfremden Leute mit großem Kopfschütteln auf mich zukommen und laut genug reden, dass ich weiss, sie reden und mich dabei direkt ansehen, damit ich weiss, sie reden über mich, das kann ich ganz schlecht ab. Ich darf mir dann nämlich den halben Tag überlegen, was der Wildfremden nicht gepasst hat. Ich habe sie sogar gefragt. Dann hat sie sich umgedreht, murmelte mir wieder was zu, mir Schwachsinnigen, der man alles zweimal zumurmeln muss und dann versteht sie immernoch nicht. Dann ist sie weggegangen und hat mich alleingelassen mit der Aufgabe, herauszufinden, was ich falsch gemacht habe in meinem Leben.
Mein Hund war an der Leine und mal nicht damit befasst, den Park bis zum Rand vollzuscheißen. Dann habe ich beim Kind nachgesehen, das war richtigrum (Kopf nach oben) im Trageteil. Es war sogar ein Trageteil, das Leute, die einem nicht wirklich zutrauen wollen, ein Tragetuch zu binden, bisher immer akzeptiert haben. Das Kind hing beidseits unten mit jeweils einem Fuß aus dem Trageteil, Socken vorhanden. Oben schaute der Kopf raus, samt Mütze. Ich hatte Schuhe an und auch daran, eine Hose anzuziehen, hatte ich gedacht. Kein Spinat zwischen den Zähnen.
Es bleibt nur: Wie kann man nur mit Kind und Hund bei 25 Grad, mit Schuhen an, bei leichtem Nieselregen auf dem Weg nach Hause sein. Und dann noch durch den Park.
Tags: Psychohygene, Rabenmutter
25. August 2011 um 07:18 |
Tragetücher werden kommentiert? Hmm. In welcher Gegend dieser Welt trägst du denn atemlos “das Kind” rum?
25. August 2011 um 22:03 |
Mitte-Tiergarten. Eher Tiergarten. Mitte muss ich mal testen.
25. August 2011 um 22:38 |
In Teilen Mittes herrscht ab dem 9. Lebensmonat Laufradzwang
27. August 2011 um 11:42 |
Liebe Mutzi, da, wo Du wohnst, gibt es viele Durchgeknallte, die viel murmeln und dabei ganz normal aussehen. Ich würde die Akte dahingehend schließen. Warte, bis das Kind laufen kann, dann fassen sie es auch noch an und falls es weint und schreit, erklären sie ihm, dass es gar nciht so schlimm sei, oder dass es weinend gar nicht mehr hübsch aussieht. Laufrad so früh wie möglich ist quasi überlebensnotwendig, um ihnen schnell zu entkommen.
27. August 2011 um 17:47 |
Ich freu mich schon so. Und bin schon sehr gespannt, ob man einem Jungen dann auch mit dem Hübschsein kommt. Wahrscheinlich müssen Jungs dann eher tapfer sein und Indianer.
Du könntest Recht haben mit der Durchgeknallten. Es könnte sein, dass die einfach mit sich selber gesprochen und durch mich hindurchgeguckt hat. Wobei es sich abermals heraustellt, dass sich das Universum nicht um mich dreht.
Mist.
31. August 2011 um 07:21 |
Ich finde es begrüßenswert, dass Kinder wieder “richtigrum” getragen werden! Fehler auf diesem Gebiet haben dazu geführt, dass viele Deutsche zu hohen Blutandrang im Kopf haben. Wer sichs nicht merken kann, beschrifte den Kindskopf sicherheitshalber mit “hier oben”. Kopf hoch!
31. August 2011 um 11:58 |
Bitte Vorsicht!
Falls Sie ihr Kind sicherheitshalber beschriften, tun Sie dies auf der Stirn des Kindes. Anderenfalls kann die Beschriftung zu falscher Lagerung im Liegen führen. Bauchlage ist ebenfalls falschrum.
Alles nicht so einfach.
31. August 2011 um 22:01 |
Oder halt auf jeder Seite (“hier oben” “rechts unten” “dort vorne” “seitlings”), für Dummies.
1. September 2011 um 19:34 |
Ja bitte. Ich hätte dann gerne noch Anzeigen für Füllstand und Kerntemperatur. Und einen Manometer. Vielleicht einen Windrad.
1. September 2011 um 13:37 |
Später hängt er dann am Rockzipfel….
1. September 2011 um 19:30 |
Darf man halt nicht “hier hängen” draufschreiben.